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Flashdance – Aufwändige Sauerei ohne Assistenz

Flashdance

“Wie bitte? Dein einzigster Job wäre eine nette Blondine von oben bis unten naßzumachen und Du willst nicht?!? WTF…” – diesen Satz musste ich letzte Woche  unverständlicherweise mehr als einmal am Telefon von mir geben. Um was ging es? Ich war auf der Suche nach einem Assistenten, der mir bei einem etwas aufwändigerem Shooting hilfreich zur Hand geht. In dem TfP-Shooting wollte ich mit dem Model Jules u.a. DIE Scene aus dem 80er Musikfilm “Flashdance” nachbauen. Für all diejenigen, denen nicht die Gnade der frühen Geburt zuteil wurde, sei gesagt daß man den Film eigentlich komplett in die Tonne treten kann. Einzig die Musik ist ein kleines Zeitdokument der 80er – und eben diese eine Scene, wo die Hauptdarstellerin Jennifer Beals beim Tanzen einen Schwall Wasser übergeschüttet bekam. Eigentlich war es ihr Tanzdouble, weil Jennifer Beals dem Regisseur nicht gut genug tanzen konnte.

Also lag es jetzt an mir allein das beste daraus zu machen. Innerlich hatte ich dieses Bild schon aufgegeben, weil es mir einfach nicht machbar erschien in der kurzen Zeit und mit meinen beschränkten Mitteln. Wer aber seine halbe Kindheit mit LEGO verbracht hat, der denkt sich auch innerhalb kürzester Zeit einen “Workaround” aus. Kurz vor unserem gemeinsamen Termin also noch kurz in den örtlichen Baumarkt und folgendes mitgebracht: einen 10-L-Eimer, Luftballons und 2x Malerplane in 5x6m.

Der Aufbau:

Für das Shooting hatte ich mir extra ein Kinderplanschbecken (3m lang, 1,5m breit) besorgt in der Hoffnung mein Studio nicht komplett absaufen lassen zu müssen. Für vorhergegangene Fotos mit Wasserglas und Gießkanne war das auch gut zu gebrauchen. Für “Flashdance” allerdings wollte ich Jules komplett mit Füßen drauf haben und das Becken musste für diese Aufnahme beiseite.  Als Schutz und zugleich Hintergrund hängte ich Malerplane auf. Diese ist leicht, transparent und ausreichend groß. Auf dem Boden wird diese nicht glattgestrichen, sondern in Falten gelegt, damit das Wasser sich dort sammelt und nicht sofort rechts und links abfliessen kann. Sieht außerdem auch gleich viel interressanter aus. Die angrenzende Wand zur linken Seite bekommt ebenfalls diese Malerplane verpasst. Strom mit Wasser in Verbindung bringen sollte man auch tunlichst vermeiden. Vor allem wenn das Modell dabei in einer Pfütze stehen wird. Alle Stromdosen in Reichweite werden aus diesem Grund mit Tape abgeklebt.

Das Wasser von oben:

Hier hätte mir der Assi zur Hand gehen sollen, sodaß ich mich einzig und allein auf das Auslösen der Kamera im richtigen Moment hätte konzentrieren können. Es blieb leider bei dem Wunschdenken. Deshalb hier der Workaround als Skizze:

Scribble Wasserbombe

Aufgehängt wurde der Eimer an einem Galgenstativ. Wichtig – ein 10-Liter-Eimer wiegt wenn er voll mit Wasser ist… richtig! 10 Kilo! Das ist für so manchen Galgen einfach zu viel. Man muss schließlich auch das Gegengewicht entsprechend dimensionieren. In meinem Fall hatte ich den Galgenarm um ein Drittel gekürzt und ca. 18 Kilo Gewichte ans äußerste Ende als Ausgleich gepackt. Das Stativ darf auch nicht umfallen, wenn der Eimer plötzlich sein komplette Gewicht verliert. Ebensowenig darf der Eimer nach der Dusche auf den Kopf des Models donnern. Also ist erstmal Testen angesagt! Ohne Model darunter natürlich. Ist man sich der Sicherheit des Models gewiß, dann geht es weiter zum Lichtsetup.

Das Licht:

In einem älteren Blogbeitrag hatte ich die verschiedenen Abbrennzeiten meiner zur Verfügung stehenden Blitze verglichen. Ich wollte das Wasser so scharf wie möglich einfrieren. am besten ohne jede Bewegungsunschärfe. Deshalb kamen nur drei Systemblitze auf kleiner Leistung (schnellste Abbrennzeit) zur Anwendung. Einer in der Mitte direkt hinter dem Modell, die zwei anderen an den Rand des Bildes in erhöhter Position. Das fertige Bild gibt eigentlich keine Rätsel auf bezgl. des Lichts. Von vorne wurde nicht geblitzt. Das Streulicht von den weißen Wänden und vor allem der weißen Decke in meinem Studio reichte aus, um das Modell ein ganz klein wenig aufzuhellen. Ansonsten hätte ich mit einem großen Faltreflektor nachgeholfen.

Flasdance Setup

Die Kamera:

Die Einstellungen an der Kamera waren: 1/160sec, f5.6, ISO200, manueller Fokus. Fotografiert wurde mit dem EF85mm, f1.8. Die Kamera stand in ca. fünf Meter Entfernung zum Model auf einem Stativ in Bodennähe. Ausgelöst wurde das ganze mit den RF602 Funkauslöser von Yongnuo – also sowohl Kamera als auch die Blitze. Das geht aber leider nur mit zwei Sendern auf verschiedenen Kanälen. Also einen Sender auf Kanal X in meiner Hand und den dazugehörigen Empfänger, ebenfalls auf Kanal X, an der Fernbedienungsbuchse der Kamera zum Auslösen eben dieser. Dann den zweiten Sender auf Kanal Y auf den Blitzschuh der Kamera und den Empfänger auf Kanal Y an einen der Systemblitze. Die beiden anderen Blitze rechts und links wurden per Fotozelle als “Slave” gezündet.

Dann wurde es spannend! Mir war klar, daß wir das nicht beliebig oft wiederholen konnten wegen der Sauerei. Es musste also am besten beim ersten Schuss sitzen. Gut, zum Schluß haben wir dann doch noch ein weiteres Mal abgedrückt, da mir auf dem ersten Bild zuwenig “Platsch!” drauf war. Wichtig beim Abdrücken: nicht zu früh auslösen! Gebt dem Wasser etwas Zeit sich auch ordentlich über das Modell zu verteilen.

Hier noch ein paar weitere Bilder von diesem Shooting und zum Schluss nochmal vielen Dank an mein Model Jules!

 

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1 comment to “Flashdance – Aufwändige Sauerei ohne Assistenz”

  • Arnold, November 5, 2012 at 7:04 pm

    So gesehen,schade, daß ich in Österreich zuhause bin, ich hätte sofort geholfen :-)

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